Die Zusammenarbeit mit einer externen Social-Media-Agentur ist Standard. Die Agentur übernimmt Content-Erstellung, Community Management oder Kampagnensteuerung – und braucht dafür Zugang zu euren Kanälen und Tools.
Genau hier beginnt für viele Unternehmen ein blinder Fleck: Wie viel Zugang bekommt die Agentur? In welcher Form? Wie wird der Zugang begrenzt? Was passiert am Vertragsende? Und was sind die DSGVO-Konsequenzen, wenn eine Agentur Zugang zu Kundendaten bekommt?
Das Grundproblem: Zu viel Zugang, zu wenig Kontrolle
Aus Bequemlichkeit wird die Agentur oft mit maximalen Rechten ausgestattet: Admin-Zugang, direkter Plattformzugriff, manchmal sogar geteilte Passwörter. Das fühlt sich einfach an. In Wirklichkeit bedeutet es:
• Die Agentur kann ohne Rücksprache Inhalte veröffentlichen – ohne Freigabeprozess.
• Account-Einstellungen können geändert werden, ohne dass das Unternehmen es mitbekommt.
• Bei Vertragsende hat die Agentur möglicherweise noch monatelang Zugang.
• Im Streitfall ist nicht nachvollziehbar, wer was getan hat.
• Es gibt keine DSGVO-konforme Grundlage für die Datenweitergabe.
Was Agenturen wirklich brauchen – und was nicht
Das Principle of Least Privilege gilt auch für externe Dienstleister. Die Frage ist immer: Was braucht die Agentur konkret für ihre Aufgabe?
Content-Erstellung: Entwürfe anlegen und bearbeiten. Kein Publish-Recht, kein Zugang zu Analytics oder Account-Einstellungen.
Community Management: Antworten auf Kommentare und Nachrichten. Kein Recht, neue Posts zu erstellen oder zu veröffentlichen.
Kampagnensteuerung: Zugang zum Werbeanzeigenmanager. Kein organischer Content-Zugang notwendig.
Vollständiges Management: Erweiterter Zugang mit klaren Freigabe-Workflows. Kein Admin-Zugang zu Account-Einstellungen oder Nutzerverwaltung.
Keine Agentur braucht Admin-Rechte, die über ihre konkrete Aufgabe hinausgehen. Wer Admin-Rechte hat, kann das gesamte Konto verwalten – inklusive Löschen und Sperren.
DSGVO: Was bei der Zusammenarbeit mit Agenturen Pflicht ist
Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen
Sobald eine Agentur im Auftrag des Unternehmens personenbezogene Daten verarbeitet – und das tut sie bei Social Media fast immer –, ist nach Art. 28 DSGVO ein AVV verpflichtend. Ohne AVV ist die Datenweitergabe an die Agentur ein DSGVO-Verstoß.
Serverstandort der Agentur prüfen
Verwendet die Agentur Tools mit US-amerikanischen Servern? Das kann eine Drittlandübermittlung darstellen. Prüfe, welche Tools die Agentur einsetzt und ob diese DSGVO-konform sind.
Datenzugriff dokumentieren
Welche Daten hat die Agentur Zugang zu? Das muss im Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 DSGVO dokumentiert sein.
Schritt-für-Schritt: Agenturen sicher einbinden
1. AVV abschließen, bevor der erste Zugang vergeben wird.
2. Aufgaben der Agentur klar definieren: Was soll sie tun?
3. Nur die minimal notwendigen Rechte vergeben – kein Admin-Zugang ohne konkreten Bedarf.
4. Individuelle Nutzerkonten für Agentur-Mitarbeitende einrichten (keine geteilten Passwörter).
5. Zeitliche Begrenzung festlegen: Zugänge laufen mit Vertragsende ab.
6. Freigabe-Workflow einrichten: Kein Post der Agentur ohne interne Freigabe.
7. Offboarding bei Vertragsende definieren: Wer deaktiviert wann welche Zugänge?
8. Access Reviews einplanen: Regelmäßig prüfen, ob Rechte noch angemessen sind.
Agentur-Offboarding: Was am Vertragsende zu tun ist
• Alle Nutzerkonten der Agentur deaktivieren.
• Prüfen, ob die Agentur direkten Plattformzugang hatte – falls ja, Passwörter ändern.
• Laufende Entwürfe und geplante Posts sichern und übergeben.
• Zugriffsrechte im AVV-Dokument als beendet dokumentieren.
• Prüfen, ob die Agentur Daten gespeichert hat, die gelöscht werden müssen.
Luceena ermöglicht die sichere Einbindung externer Agenturen mit granularen Rechten: eigene Konten, erzwungener Freigabe-Workflow, Offboarding mit einem Klick.
Fazit
Externe Agenturen sind wertvoll. Unkontrollierter Zugang ist es nicht. Mit klaren Prozessen, individuellen Konten und einem definierten Freigabe-Workflow profitierst du von der Expertise der Agentur – ohne die Kontrolle über deine Kanäle, deine Daten und deine Compliance zu verlieren.