Über 95 Prozent aller Website-Besucher kaufen beim ersten Besuch nicht. Sie schauen sich Produkte an, legen sie in den Warenkorb – und verschwinden. Facebook Retargeting ermöglicht es, genau diese Personen auf Facebook und Instagram erneut anzusprechen.
Retargeting-Kampagnen gehören zu den Kampagnen mit dem besten Return on Ad Spend – weil sie Menschen ansprechen, die bereits Interesse gezeigt haben.
Was ist Facebook Retargeting?
Retargeting (auch Remarketing genannt) bedeutet: Du zeigst Werbeanzeigen Personen, die bereits mit deiner Marke interagiert haben – sei es über deine Website, App, Facebook-Seite oder Instagram-Account.
Die technische Grundlage ist der Meta Pixel oder die Conversion API, der das Verhalten von Website-Besuchern trackt und diese Daten in Custom Audiences überführt.
Retargeting-Zielgruppen: Wer kommt wann zurück?
Top of Funnel (TOFU) Retargeting
Zielgruppe: Alle Website-Besucher der letzten 30–60 Tage. Ziel: Markenbekanntheit stärken, Interesse wecken. Anzeigentyp: Brand-Content, Blog-Artikel, Produktvorstellungen.
Middle of Funnel (MOFU) Retargeting
Zielgruppe: Besucher spezifischer Seiten (Produktseiten, Pricing, Blog-Artikel). Ziel: Kaufbereitschaft erhöhen, Nutzen kommunizieren. Anzeigentyp: Testimonials, Produktvorteile, FAQ.
Bottom of Funnel (BOFU) Retargeting
Zielgruppe: Warenkorbabbrecher, Checkout-Abbrecher, Besucher der letzten 7–14 Tage. Ziel: Kauf abschließen. Anzeigentyp: Direktes Angebot, Rabattcode, kostenlose Lieferung.
Warenkorbabbrecher-Retargeting hat typischerweise den höchsten ROAS aller Kampagnentypen – weil die Kaufabsicht bereits vorhanden ist.
Dynamic Product Ads (DPA): Automatisches Retargeting
Dynamic Product Ads zeigen automatisch die Produkte, die sich ein Nutzer angesehen hat – ohne dass du separate Anzeigen für jedes Produkt erstellen musst. Voraussetzung: ein verknüpfter Produktkatalog im Business Manager und korrekt konfigurierte Pixel-Events (ViewContent, AddToCart, Purchase).
DPAs sind für E-Commerce-Shops mit großen Produktkatalogen die effizienteste Retargeting-Methode.
Sequential Retargeting: Die richtige Botschaft zur richtigen Zeit
Statt alle Retargeting-Nutzer mit derselben Anzeige zu bombardieren, zeigst du im Sequential Retargeting unterschiedliche Botschaften je nach Phase im Funnel:
1. Tag 1–3: Erinnerung an das angesehene Produkt
2. Tag 4–7: Social Proof (Bewertungen, Testimonials)
3. Tag 8–14: Dringlichkeit (limitiertes Angebot, Verfügbarkeit)
4. Tag 15–30: Alternativen oder neue Produkte vorschlagen
Retargeting-Frequenz: Wie oft ist zu oft?
Retargeting ist effektiv – bis es nervt. Zu hohe Frequenz führt zu negativem Feedback, höheren CPMs und schlechterer Anzeigenqualität. Empfehlung: Maximale Frequenz von 3–5 pro Woche bei BOFU-Zielgruppen. TOFU-Zielgruppen können öfter bespielt werden. Frequenz-Cap in den Anzeigengruppen-Einstellungen nutzen.
Retargeting und DSGVO
Facebook Retargeting setzt voraus, dass der Meta Pixel Nutzerdaten trackt. Das ist nur rechtmäßig, wenn Nutzer aktiv eingewilligt haben. Ohne valide Einwilligung ist Retargeting ein DSGVO-Verstoß. Außerdem: Kundenlisten-Retargeting erfordert eine eigene rechtliche Grundlage für das Hochladen der Daten.
Häufige Retargeting-Fehler
• Zu kleine Zielgruppen: Unter 1.000 Personen ist zu wenig für effektives Retargeting.
• Gleiche Anzeige für alle: Kein Unterschied zwischen frischen Besuchern und Warenkorbabbrechern.
• Bestehende Kunden nicht ausschließen: Kunden sehen Anzeigen für Produkte, die sie schon gekauft haben.
• Zu langer Retargeting-Zeitraum: 180-Tage-Fenster für BOFU ist zu lang – der Kauf ist längst entschieden.
• Kein Frequency Cap: Nutzer werden mit identischen Anzeigen überschwemmt.
Fazit
Facebook Retargeting ist kein Nice-to-have – es ist ein Muss für jedes Unternehmen, das online verkauft oder Leads generiert. Mit dem richtigen Funnel-Aufbau, sequenziellen Botschaften und sauberer DSGVO-Grundlage ist es eine der rentabelsten Werbemaßnahmen überhaupt.